Mit dem Eintritt in den Ruhestand verändert sich vieles: Das regelmäßige Arbeitseinkommen entfällt, neue Freiräume entstehen und das Vermögen übernimmt eine neue Aufgabe. Es soll über viele Jahre Einkommen sichern, Kaufkraft erhalten und finanzielle Flexibilität ermöglichen.
Warum die Planung des Ruhestands eine zentrale Herausforderung ist
Damit das Vermögen über Jahrzehnte finanzielle Sicherheit bietet, braucht es eine vorausschauende Planung. Dies ist umso wichtiger, weil die Lebenserwartung seit Jahrzehnten steigt. Ein Ruhestand kann heute 25 oder 30 Jahre dauern.
Das Flossbach von Storch Research Institute weist in einer Untersuchung darauf hin, dass die Langlebigkeit die Finanzierung des Ruhestands zu einer zentralen Herausforderung macht. Eine solide Ruhestandsplanung ist heute wichtiger denn je.
Ruhestandsplanung: Was ist damit gemeint?
Die Ruhestandsplanung geht weit über die klassische Altersvorsorge hinaus. Sie umfasst:
- Die Vermögensstruktur (Asset Allocation)
Wie sollte das Vermögen auf Aktien, Anleihen, Immobilien und Liquidität verteilt sein? - Die Liquiditätsplanung
Wie viel Geld sollte jederzeit verfügbar sein, um laufende oder unerwartete Ausgaben zu finanzieren? - Die Entnahmestrategie
Wie viel Vermögen kann regelmäßig entnommen werden, ohne die langfristige finanzielle Stabilität zu gefährden?
Schutz vor Inflation: Warum systematische Kaufkraftsicherung im Ruhestand entscheidend ist
Die Preise steigen mit der Zeit. Deswegen sollte das überordnete Ziel der Ruhestandsplanung stets sein, den Wertverlust des Vermögens durch die Inflation auszugleichen. Anders gesagt: Die Kaufkraft zu erhalten.
Um die Kaufkraft langfristig zu erhalten, sollten Anleger auf produktive Vermögenswerte wie Aktien setzen. Sie ermöglichen eine Beteiligung an Unternehmen und deren wirtschaftlicher Entwicklung.
Der Wert von Aktien entwickelt sich mit dem Wert des jeweiligen Unternehmens. Wirtschaftet es gut und steigt der Wert, profitieren die Aktionäre. Aktien haben in der Vergangenheit häufig dazu beigetragen, die Kaufkraft von Vermögen zu erhalten oder zu steigern. Insbesondere weil die Entnahmephase Jahrzehnte lang sein kann, sollte der Anteil an Aktien nicht zu gering gewählt werden. Gleichzeitig sind Aktien mit Wertschwankungen verbunden.
Warum eine ausgewogene Vermögensstruktur im Ruhestand entscheidend ist
Neue Entwicklungen, Wettbewerber oder Krisen können die Aktienkurse zeitweise unter Druck setzen. Insbesondere im Ruhestand kann das verunsichern. Insofern ist es ratsam, einem Portfolio schwankungsärmere Anlageklassen wie beispielsweise Anleihen guter Bonität beizumischen. In dem Zuge spricht man von Asset Allocation, der Aufteilung von Vermögenswerten unter anderem nach Anlageklassen.
Folgende Leitfragen sollten angehende Rentner und Pensionäre beantworten, um – möglicherweise mit Experten – eine geeignete Anlagestrategie zu definieren:
- Wie viel Geld sollte jederzeit verfügbar sein?
- Generiert mein Vermögen regelmäßige Ausschüttungen (z.B. Mieteinnahmen, Zinsen oder Dividenden)?
- Reichen meine Renteneinkünfte aus oder muss mein Vermögen einen Teil der laufenden Ausgaben finanzieren?
- Welcher Teil meines Vermögens kann trotz Ruhestand langfristig investiert bleiben?
- In welchen Abständen möchte ich meine Planung überprüfen und anpassen?
- Gibt es größere Ausgaben, eine Schenkung oder eine Erbschaft, die ich in meiner finanziellen Planung berücksichtigen sollte
Vermögen im Ruhestand entsparen: So planen Sie regelmäßige Entnahmen
Mit dem Ruhestand beginnt die Entnahmephase. Nun geht es darum, das Vermögen so zu nutzen, dass es über viele Jahre Einkommen ermöglicht und gleichzeitig ausreichend finanzielle Reserven bestehen bleiben. Deswegen verlangt die Planung der Entnahmephase große Sorgfalt.
Regelmäßige Einnahmen wie Renten oder Pensionen müssen laufenden Ausgaben gegenübergestellt werden. Die Gegenüberstellung zeigt, welcher Betrag dauerhaft aus dem Vermögen entnommen werden kann oder muss.
Aus einer transparenten Übersicht der Zahlungsströme geht zudem hervor, wie hoch der Anteil am Vermögen sein sollte, der kurzfristig verfügbar ist und welcher Anteil langfristig in wachstumsstarke Anlageklassen wie Aktien investiert bleiben kann.
Regelmäßige Anpassungen der Vermögensstruktur im Ruhestand
Mit der strategischen Asset Allocation für die Zeit des Ruhestands haben Rentner und Pensionäre die Zielgewichtung der einzelnen Anlageklassen festgelegt. Durch unterschiedliche Kursentwicklungen verändern sich die prozentualen Anteile im Laufe der Zeit. So können Aktien beispielsweise einen größeren Anteil im Portfolio einnehmen als ursprünglich vorgesehen.
Die ursprüngliche Gewichtung kann entweder durch gezielte Entnahmen aus dem Anteil wachstumsstarker Anlageklassen wiederhergestellt werden oder durch regelmäßiges Rebalancing. Dadurch bleibt die ursprünglich festgelegte Vermögensstruktur erhalten, ohne dass kurzfristige Marktbewegungen die langfristige Strategie verändern.
Regelmäßige Überprüfungen helfen zudem, die Höhe der regelmäßigen Entnahmen und die Liquiditätsreserve an veränderte persönliche, familiäre oder steuerliche Rahmenbedingungen anzupassen.
Fazit: Ruhestandsplanung als langfristige Aufgabe
Eine erfolgreiche Ruhestandsplanung verbindet drei Ziele: Sie erhält die Kaufkraft des Vermögens, stellt ausreichend Liquidität für laufende Ausgaben bereit und ermöglicht regelmäßige Entnahmen, ohne die langfristige finanzielle Stabilität aus dem Blick zu verlieren.
Dafür ist eine durchdachte Asset Allocation entscheidend. Das Portfolio eines Ruheständlers sollte inflationsausgleichende Werte wie Aktien, schwankungsärmere Anlageklassen wie Anleihen und ausreichend Liquidität enthalten.
Mit steigender Lebenserwartung gewinnt dieser ganzheitliche Ansatz weiter an Bedeutung. Wie das Flossbach von Storch Research Institute hervorhebt, wird vorhandenes Vermögen künftig häufiger eine wichtige ergänzende Einkommensquelle sein. Eine vorausschauende Planung schafft die Voraussetzungen für finanzielle Stabilität und Handlungsspielräume im Ruhestand.
Häufig gestellte Fragen
Da die Lebenserwartung steigt, sollte die Ruhestandsplanung einen langen Zeitraum berücksichtigen. Ein Ruhestand von 25 bis 30 Jahren ist heute keine Seltenheit. Wer sein Vermögen strukturiert plant, sollte deshalb nicht nur die ersten Jahre nach Renteneintritt im Blick haben, sondern auch die langfristige Entwicklung von Kaufkraft, Ausgaben und Kapitalmärkten.
Ja, für viele Anleger können Aktien auch im Ruhestand ein wichtiger Bestandteil des Portfolios sein. Sie bieten langfristig die Chance, Kaufkraftverluste durch Inflation auszugleichen. Da Aktien jedoch Kursschwankungen unterliegen, sollten sie lediglich Teil einer ausgewogenen Vermögensstruktur sein und durch andere Anlageklassen ergänzt werden.
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die Höhe der Liquiditätsreserve hängt unter anderem von den laufenden Ausgaben, den regelmäßigen Renteneinkünften und geplanten größeren Anschaffungen ab. Ziel ist es, jederzeit ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben, ohne langfristige Renditechancen unnötig einzuschränken.
Je früher die Planung beginnt, desto größer ist der Handlungsspielraum. Idealerweise beschäftigen sich Anleger bereits mehrere Jahre vor dem Renteneintritt mit der späteren Vermögensstruktur, der Liquiditätsplanung und der Entnahmestrategie. So bleibt ausreichend Zeit, das Portfolio schrittweise an die Anforderungen des Ruhestands anzupassen.
Ja. Persönliche Lebensumstände, Ausgaben, Kapitalmärkte oder steuerliche Rahmenbedingungen können sich im Laufe der Zeit verändern. Eine regelmäßige Überprüfung hilft dabei, die Vermögensstruktur, die Liquiditätsreserve und die Entnahmestrategie bei Bedarf anzupassen.
Ob Renteneinkünfte ausreichen, hängt von den individuellen Lebenshaltungskosten und weiteren Einnahmequellen ab. Reichen gesetzliche oder betriebliche Renten nicht aus, kann das vorhandene Vermögen eine ergänzende Einkommensquelle sein. Eine Ruhestandsplanung hilft dabei, den notwendigen Entnahmebedarf realistisch zu ermitteln.
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